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Die Preußen in Erfurt (1802 - 1806)
Auf Grund besonderer Verträge mit Frankreich hatte Preußen die Verordnung der Reichsdeputation in Regensburg über die Säkularisation der geistlichen Reichsstände nicht abgewartet, sondern schon im August 1802 die ihm zugesprochenen Gebietsteile in Besitz genommen, unter denen sich auch Erfurt befand.
Am 21. August 1802 rückten preußische Truppen in die Stadt ein. Nun begann ein scharfes Regiment, das mit dem Schlendrian und der bequemen Lässigkeit der mainzischen Behörden gründlichst aufräumte, Justiz und Verwaltung auf neue, moderne Grundlagen stellte, viele alte Zöpfe beseitigte, aber auch durch manche unnötigen Härten und Schikanen des militärischen Gouverneurs Graf Leopold Alexander von Wartensleben die gut preußisch gesinnten Bürger abstieß. Weil z. Beispiel der Gouverneur das bisher immer für die oberste Zivilverwaltung bestimmte Regierungsgebäude für sich haben wollte, musste die oberste Verwaltungsbehörde nach Heiligenstadt verlegt werden, so dass Erfurt von Heiligenstadt aus regiert wurde.
Im großen und ganzen erwiesen sich freilich die preußischen Reformen als gesund und notwendig, Erfurt ist erst damals aus halb mittelalterlichen Zuständen in ein zeitgemäß verwaltetes und gut organisiertes Gemeinwesen verwandelt worden.
Zur Erinnerung an die Vereinigung Erfurts mit Preußen wurde eine Medaille geprägt, deren Schauseite das Brustbild des Königs zeigt, während auf der Rückseite die Kriegsgöttin mit der preußischen Fahne ihre Hand schützend über die Zeichen und Geräte von Ackerbau, Handel und Gewerbe hält. Die Umschrift lautet:
"Auch ihnen Schutz und Wohlfarth, Erfurth mit dem Staate vereinigt, 1802"
Das preußische Königspaar ist in den vier kurzen Jahren viermal in Erfurt gewesen, immer mit stürmischer Begeisterung begrüßt, zuerst Ende Mai 1803. Damals war es, dass der Diakonus Lossius die Königin Luise durch seine Mädchenschule in der Eingangshalle der heutigen Regierung (Jahr 1929 !) mit einem Gedicht begrüßen ließ, dessen Schlussvers lautet:
"Erfurts Glück liegt in so teuren Händen, Dieser Tag erhebt es höher noch. Laßt uns Dank und Preis zum Himmel senden Königin Luise lebe hoch!"
Der letzte Aufenthalt des Königspaares in Erfurt im Oktober 1806 war schon umdüstert von der Niederlage bei Saalfeld und dem Tod des Prinzen Louis Ferdinand. Die Schlacht bei Jena und Auerstedt am 14. Oktober machte dann der preußischen Herrschaft ein jähes Ende; am 17. Oktober zogen die Franzosen ein, der preußische Kommandant hatte ihnen, ohne einen Schuss zu tun, eine der wichtigsten Festungen übergeben.
(aus: Erfurt in 12 Jahrhunderten, 1929)
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