Königlich Preußisches Infanterie Regiment “von Wartensleben” (N° 59)

200 Jahre Preußen

1802 - 200 Jahre Preußen in Erfurt - 2002

2002 jährt sich die preußische  Besitzergreifung Erfurts zum 200. mal. Dieses historische Ereignis wollen  geschichtsinteressierte Bürger der Stadt würdigen. Dazu ruft der  Förderverein "Freunde der Citadelle Petersberg zu Erfurt e.V."  und das Petersbergregiment im Rahmen der Denkmalwoche im September 2002 mit  vielfältigen Veranstaltungen

zusammen mit dem Stadtmuseum und der  Bauhütte Petersberg der Stadt Erfurt auf. Durch diese Veranstaltungen  soll zugleich den Erfurtern, Jung und Alt, und ihren Gästen ein  differenziertes Bild über das Königreich Preußen in Erfurt vermittelt  werden, das in der Stadt überwiegend immer noch von der einseitigen  Geschichtsinterpretation aus DDR-Zeiten bestimmt wird. Viele Erfurter sehen das Königreich Preußen auch heute  noch nur als Militärmacht und in erster Linie vom Ende der Geschichte  -  das heißt vom Untergang des III. Reiches - her

.Das wird der Geschichte  Preußens nicht gerecht. In der jungen Generation sind zudem die  Zusammenhänge preußisch-deutscher Geschichte weitgehend unbekannt. Preußen ist im 19.  Jahrhundert nicht nur Militärmacht, sondern zugleich der deutsche Staat,  von dem die stärksten Impulse für eine nachholende Modernisierung  Deutschlands ausgingen. 

Preußen einigt nicht nur Deutschland, sondern  führt es in die moderne Industriegesellschaft und in den modernen  Rechtsstaat. Erfurt nimmt an diesem unter Preußens Herrschaft aktiv teil. Auf Grund massiver politischer Veränderungen in Europa infolge der  französischen Revolution von 1789 wird Erfurt 1802 Bestandteil des  Königreichs Preußen. Damit beginnt für die Stadt eine neue Epoche.  

Sie  entwickelt sich von einer kurmainzischen Landstadt - 1802 etwa 16.000  Einwohner - im Verlaufe des 19. Jahrhunderts zur wirtschaftlichen  Metropole Thüringens und erreicht 1906 mit 100.000 Einwohnern den Status  einer Großstadt. Sie ist Festungs- und Militärstadt, wird  Verwaltungszentrum des preußischen Thüringen, wichtiger Verkehsknoten,  eine Stadt des Nah- und Fernhandels, Ort von Bildung und Kultur. Das  Banken- und Versicherungswesen greift in der zweiten Hälfte des 19.  Jahrhunderts weit über die Stadtgrenzen hinaus. 

Demokratische Traditionen  entwickeln sich in diesem Jahrhundert ebenso wie Bürgersinn und  städtisches Selbstbewußtsein. Ein modernes Kommunalwesen entsteht. Mit der Einführung des "Allgemeinen Landrechts für  die preußischen Staaten" 1803 in Erfurt gewinnt die Stadt Anschluss  an den preußisch-deutschen Weg in die Rechtsstaatlichkeit. 

Am Ende aller dieser  Entwicklungen - sie beruhen auf einer Ziel gerichteten preußischen  Rechts-, Verwaltungs-,Gewerbe-, Handels-, Verkehrs- und Kommunalpolitik -  wird Erfurt integrativer und integrierender Bestandteil des preußischen und kleinstaatlichen Thüringens. Die Stadt vollzieht unter Preußen ihren  Weg in die Moderne. 
Man spricht von einer zweiten Blüte in der Geschichte  der Stadt. 

Text: Dr. Horst Moritz, Zusammenstellung: Peter Bach, August 2002